Eine Sage über die Entstehung der Welt

»Nun, es handelt sich um eine uralte Sage. Keiner weiß heutzutage, woher sie stammt und wie viel Wahres in ihr liegt. Zur damaligen Zeit war sie noch wesentlich unbekannter. Doch mein Vater hatte sie mir als kleiner Junge des Öfteren abends zur Schlafenszeit vorgetragen.«

 

Als Elisus den Tag betrat, fand er Leere. Er erkannte seine Einsamkeit und erschuf drei Wesen namens Lillian, Loriath und Larot. Die Unduri.
Jedem teilte er eine eigene Gabe zu.

Lillian war wie eine zarte Blume, sie fühlte den Hauch des Lebens, den Pulsschlag der Natur in ihrem Herzen.

Loriath wurde das Gefühl der Bewegung gegeben. Er verspürte den Drang der Wandlung und des Fortbestandes.

Vor Larot beugte er sich nieder und gab ihm einen Kuss, worauf er Zusammenhalt und Liebe verspüren sollte.

Elisus' Kinder blieben lange um ihn. Er lehrte sie Fantasien, mit denen sie ihre Eigenschaften in Bilder umsetzen konnten.

Diese Bilder füllten bald die leere Halle um ihn. Doch es lag immer noch Stille in diesen Bildern.

So gab Elisus seinen Kindern ein viertes. Er überließ ihnen, ihm einen Namen zu geben.

Doch Loriath, Lillian und Larot waren eifersüchtig auf etwas Neues an ihrer Seite, das ihnen den Platz neben Elisus nehmen könnte und sie nannten ihn Orgoth. In ihren Bildern beschrieben sie den Namen als Ausgestoßener und Ungewollter.

Dies stimmte Elisus traurig, und er nahm ihnen für einen langen Zeitraum Kraft und Fantasie als Strafe.

Orgoth aber schenkte er die Macht, die Bilder zu formen. Er ließ ihn gewähren die Bilder seiner Brüder und seiner Schwester zu gestalten und ihnen Materie zu geben.
Doch die Bilder über die Bedeutung seines Namens Orgoth, die seine Geschwister voll Eifersucht erschaffen hatten, nahm er an sich und verbarg sie vor ihm.

Die Zeit schritt voran, und es entstanden Täler und Wälder, Wasser und Luft. Der Neid seiner Geschwister aber wuchs und wurde zu nagendem Hass.
Ein Gefühl, das bisher nicht in den Herzen der Kinder gewesen war. Und es quälte sie, denn sie wussten es nicht zu beschreiben, war ihnen ja ihre Fantasie genommen. Elisus merkte es nicht, da er zu verzückt war von den wundervollen Dingen, die um ihn entstanden.

So verstrich die Zeit und es kam der Tag an dem die Fantasien und die Kräfte in seine Kinder zurückflossen. Und der Hass, der in ihnen gebrütet hatte, strömte aus ihnen und bildete Bilder und Fantasien, die sie selbst nicht beschreiben konnten. Sie schlichen zu Orgoth und erzählten ihm, dass Elisus sie getrennt hatte, da er Orgoth nur benutzen wollte um die Geschichten der Erstgeborenen umzusetzen. Und sie erzählten ihm weiter von der Bedeutung seines Namens, doch verschwiegen sie, dass sie ihn erwählt hatten. Sie sagten ihm, dass ihr Vater ihn so nannte, weil er so zeigen wollte, dass Orgoth nicht zu ihnen gehörte. Daraufhin entflammte in Orgoth Trauer. Sie schrie in ihm. Doch wusste er sie nicht umzusetzen. So gaben seine Geschwister ihm die Bilder ihres Hasses. Und er setzte sie um.

In den Wäldern öffneten sich Augen ... dunkle Gedanken strömten in Bäume, Wasser wurden tosend, Erde wurde erschütternd, Luft wurde stürmisch.

Als Elisus den Verrat seiner Kinder erkannte, versetzte er sie alle in Schlaf. Er betrachtete das Werk und weinte. Doch er wollte nicht ändern was seine Kinder erschaffen hatten und er ließ es gewähren. Aber er konnte seinen Kindern nun nicht mehr ins Angesicht sehen, so wandte er sich ab und ließ sie zurück in ihrer Welt.

Viele Jahrhunderte zogen ins Land und der erste Krieg tobte über die Welt hin-
weg. Wasser kämpfte gegen Luft und Luft gegen Wald und Wald gegen Erde.

Als die Unduri erwachten, erkannten sie ihre Einsamkeit und erkannten ihre Tat.

Und sie saßen beisammen und weinten.

Ihre Trauer war bitter und sie versetzte die Welt in Stillstand.
Und sie erhoben sich und betrachteten die Welt. Und Orgoth beruhigte Wald, Luft, Erde und Wasser.

Loriath, Lillian und Larot schauten ihm zu. Sie erkannten, dass sie Fehl getan hatten. Und sie gaben ihre Seelen der Welt als Wiedergutmachung.

Aus Lillians Seele wuchs die Welt und gedieh. In Wäldern hüpfte das Wild, Wasser gebaren Fische, die Luft ersann ihre Vögel und die Erde gab allen Leben durch ihre Früchte.
Aus Loriaths Seele löste sich die all umwährende Ethendi, welche die Kräfte der Unduri und deren Fantasie und Bilder unsichtbar in den Raum der Welt verteilte.
Larot hingegen gab der Welt den Fortbestand und das Miteinander. Er gab ihr die Kraft, sich auch ohne Bilder zu entwickeln.

Orgoth selbst ward müde. Und auch er gab seine Seele, doch teilte er diese auf, so dass sie in verschiedenen Zeitaltern der Welt erscheinen möge. Und aus dem ersten Seelenteil erwuchs das Geschlecht der Yawen. Welches nun die Welt bewohnen und sie mit den anderen Geschöpfen teilen sollte ...